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Wanderausstellung »NS-Psychiatrie in der Pfalz« bis Sommer in Klingenmünster

Die Wanderausstellung ist Mittwochs von 14:30 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

Klingenmünster. Maria E., Heinrich K. und über 2000 weitere Klingenmünsterer Patienten sind Opfer der NS-Psychiatrie geworden. Was damals psychisch kranken und behinderten Menschen angetan wurde und wie das geschehen konnte, beleuchtet die Wanderausstellung „NS-Psychiatrie in der Pfalz“. Am 18. Januar wurde sie im Alleehaus des Pfalzklinikums eröffnet.

In den ansprechenden neuen Ausstellungsräumen begrüßte Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder zahlreiche Gäste. Mit der Wanderausstellung habe das Pfalzklinikum mit seinem Gewährsträger Bezirksverband Pfalz „eine wichtige Möglichkeit geschaffen, die Erinnerung und die Auseinandersetzung mit den menschenverachtenden Maßnahmen der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik zu vertiefen und in die Region zu tragen“. Wieder dankte allen, die am Entstehen der Ausstellung mitgewirkt haben, sowie auch den Unterstützern: der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, der Sparkassenstiftung Südliche Weinstraße und der Karl-Fix-Stiftung Landau.

Der Kulturwissenschaftler Dr. Christof Beyer, der über die Geschichte des Pfalzklinikums promoviert und die Ausstellung inhaltlich gestaltet hatte, führte die Gäste in das Konzept ein. Auf 16 Texttafeln mit historischen Fotos und Dokumenten sind wesentliche Etappen der NS-Psychiatrie dargestellt: massenhafte Zwangssterilisationen, Deportation und Krankenmord, das Hungersterben in den letzten Kriegsjahren. Mit zehn Patientengeschichten habe er die Sichtweisen der Patienten und ihrer Angehörigen in den Mittelpunkt der Ausstellung gerückt. Die Exposition ende mit einer Tafel zur Aufarbeitung der Vergangenheit durch nachfolgende Generationen. In der heutigen Gedenkarbeit komme es darauf an, immer den Bezug zur Gegenwart herzustellen.

„Auch heute gibt es Abwertung, Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen“, betonte Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke. „Dem müssen wir entgegentreten.“ Bomke dankte Dr. Beyer für sein großes Engagement in der Gedenkarbeit und wünschte ihm für seine weitere wissenschaftliche Arbeit viel Erfolg. Der Geschäftsführer stellte Dr. med. Maike Rotzoll von der Universität Heidelberg und Dr. phil. Georg Lilienthal, Leiter der Gedenkstätte Hadamar, vor, die für die künftige wissenschaftliche Begleitung des Ausschusses für Gedenkarbeit gewonnen werden konnten. Er informierte darüber, dass die Wanderausstellung bis zum Sommer in Klingenmünster zu sehen ist und dann durch pfälzische Kommunen wandert. Als nächste Station sei Frankenthal geplant, auch aus Speyer gebe es Interesse.

Während der Veranstaltung wurden die neue Website der Wanderausstellung www.ns-psychiatrie-pfalz.de und ein Flyer vorgestellt. Ein Katalog ist in Vorbereitung.

Durch die Veranstaltung führte Fritz-Stefan Rau, Leiter Betriebliche Bildung im Pfalzklinikum und neuer Leiter des Ausschusses für Gedenkarbeit. Er und Christiane Sprenger, stellvertretende Leiterin der Krankenpflegeschule des Pfalzklinikums, sowie weitere Mitarbeiter bieten nach Vereinbarung Führungen durch die Wanderausstellung an. Geöffnet sei sie zunächst mittwochs von 14:30 bis 17:00 Uhr, zusätzlich am nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar von 12 bis 15 Uhr. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten sei ab Frühjahr vorgesehen. Dann könne man die Ausstellung auch am Wochenende besuchen.

Künftig solle im Alleehaus eine Dauerausstellung gezeigt werden, so der Geschäftsführer des Pfalzklinikums. Diese werde zurzeit entwickelt.

Info und Anmeldung für Führungen:
Rita Hunsicker
Sekretariat Gedenkarbeit
Telefon: 06349 900 1001
infons-psychiatrie-pfalz.de

 

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